„... es ist alles ganz eitel. ... Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne? Ein Geschlecht vergeht, das andere kommt; die Erde aber bleibt immer bestehen. Die Sonne geht auf und geht unter und läuft an ihren Ort, dass sie dort wieder aufgehe...Was geschehen ist, eben das wird hernach sein. Was man getan hat, eben das tut man hernach wieder, und es geschieht nichts Neues unter der Sonne. ... Man gedenkt derer nicht, die früher gewesen sind, und derer, die hernach kommen; man wird auch ihrer nicht gedenken bei denen, die noch später sein werden.

... Ich sah an alles Tun, das unter der Sonne geschieht, und siehe, es war alles eitel und Haschen nach Wind. Krumm kann nicht gerade werden, noch, was fehlt, gezählt werden ...“

Prediger 1, 2-14, Lutherbibel, revidierter Text 1984

 Gestalten der Mythologie, der Bibel oder der Weltliteratur, die man als Sinnbilder des menschlichen Charakters, des Verhaltens und der daraus resultierenden Konsequenzenmit lesen kann werden mit Figuren und Wesen meiner eigenen Phantasie kombiniert. Mythologisches wie auch Subjektives erfahren zusätzlich zu der tradierten Sichtweisen eine Bedeutungsanreicherung wodurch sich neue Erklärungsansätze ergeben. 

Beschreibung (von oben nach unten):

Alle Figuren sind auf einem kargen Baum positioniert. In zahlreichen Mythologien spielt der Baum als Weltenbaum oder Lebensbaum eine zentrale Rolle, wie auch der Baum der Erkenntnis in der Bibel. Als solcher gelesen, ist er ein Verweis auf den Sündenfall: Adam versucht nach dem Apfel zu greifen und wird von einer Schlange in die Hand gebissen. In der Bildgruppe darunter, die Apollo und Daphne (nach Bernini) darstellt, verwandelt sich Daphne soeben in den Lorbeerbaum, der darauf einen  Ast, emporsendet, der wiederum Apfel und Schlange trägt.

Darunter wartet ein sprichwörtlicher „Arsch mit Ohren“, der „aus dem letzten Loch pfeift“, darauf, dem zu ihm Aufsteigenden mit dem Hammer den Schädel einzuschlagen. Dieser merkt jedoch nichts, da er selbst damit beschäftigt ist, die Gestalt unter ihm am Aufstieg zu hindern und von der Leiter zu treten. Die Flügel der nächsten Figur, leicht als fallender Ikarus zu erkennen, sind offensichtlich für diesen Aufstieg nicht geeignet. Hat er seine Fähigkeiten über- oder unterschätzt? Weiß er nicht um seine wirklichen Fähigkeiten oder scheitert er gerade an diesem Potential?

An einem Seitenast hängt die Weltkugel an einer Kette, schräg über ihr hängt auf demselben Ast ein Hintern, der „auf die Welt scheißt“ (vgl. P. Breughel d. Ä.). Auf der anderen Seite des Stamms versucht ein Mensch ein Kamel durchs Nadelöhr zu ziehen (vgl. Matt. 19, 24). Oberhalb der Allegorie mit des auf die Welt Scheißenden klammert sich eine Figur längs an den tragenden Ast, deren Gehirn soeben den Kopf auf dem Rücken einer Schnecke verlassen hat. 

Jede Figur hat zunächst eine Bedeutung für sich allein - manchmal eine, die zum Sprichwort geworden ist, ein anderes Mal eine aus einem literarischen Kontext. Durch die Verbindung mit den anderen Gestalten auf dem Werkstück und dem Material kommen weitere, andere Bedeutungen hinzu, die es zu entdecken gilt. So sind z.B. der Sündenfall einerseits und Apollo/Daphne andererseits, zwei unterschiedlich Darstellungen des Eros. Im Knochen selbst wird bereits die Vergänglichkeit offenbar und auf die Nichtigkeit der menschlichen Bemühungen verwiesen. Gleichzeitig ist jedoch der Knochen auch das was am Ende vom Menschen übrig bleibt, während alles andere schon zerfallen ist. 


„Einst kamen Odin, Loki und Hönir zu Andwaris Wasserfall und töteten Otur, zogen ihm das Fell ab und brachten es voller Stolz zu Hreidmar, der alsbald mit Grauen seinen toten Sohn erkannte. Als Wiedergutmachung sollten die Asen den Balg mit Gold füllen. Loki sollte das Gold beschaffen, dazu fing er den Zwerg Andwari mit einem Netz und zwang ihn zur Herausgabe seines immensen Schatzes, den dieser aber mit einem Fluch belegte. Alsbald forderten aber die übrigen Söhne von Hreidmar, ihren Anteil an dem Schatz und Fafnir ermordete sogar seinen Vater im Schlaf. Für diese böse Tat wurde er aber in einen Drachen verwandelt, der fortan den Schatz als seinen Drachenhort hütete.“

Nordische Mythologie nach T. Koczwara


„Und ich sah einen Engel vom Himmel fahren, der hatte den Schlüssel zum Abgrund und eine große Kette in seiner Hand. Und er griff den Drachen, die alte Schlange, welche ist der Teufel und Satan, und band ihn tausend Jahre und warf ihn in den Abgrund und verschloss ihn und versiegelte oben darauf, dass er nicht mehr verführen sollte die Heiden, bis dass vollendet würden tausend Jahre; und danach muss er los werden eine kleine Zeit ...“

Offenbarung des Johannes 20, 1-4, Lutherbibel, revidierter Text 1984